Komorbiditäten

Viele hochsensible Menschen haben, auch andere Diagnosen, auch Komorbiditäten genannt. Man könnte auch von Begleitdiagnosen sprechen, was ich persönlich passender finde.
Einige dieser Begleiterkrankungen können Angststörungen, Depressionen, Essstörungen oder ADHS sein. In diesem Teil möchte ich auf meine Begleitdiagnosen eingehen, und wie es ist mit Ihnen zu Leben.

D E P R E S S I O N

Mit Mitte 20 habe ich eine Depression bekommen, damals wusste ich noch nicht dass ich Hochsensibel bin, und wie schwer ich mich mit Veränderungen tue. In dieser Zeit gab es in meinem Leben jede Menge Veränderungen und das war einfach zu viel für mich, dies war der Auslöser für meine Depression. 
Ich fing mit psychoanalytischen Gesprächen an, und wünschte ich könnte sagen, dass ich mich dadurch selber besser verstanden und kennengelernt habe, aber dies trifft nicht zu. Ich wurde von den Ärzten in ambulante und stationäre Therapien und zu verschiedenen Psychiatern geschickt, aber eine wirkliche Therapie habe ich so nicht bekommen, und mir ging es damals so schlecht dass ich nicht aus der Depression rausgekommen bin, und diese mich viele Jahre meines Lebens gekostet hat. 
Also fing ich eine Verhaltenstherapie mit begleitender Medikamenteneinnahme an, und nach Jahren dieser für mich guten Kombination bin ich aus der Depression rausgekommen. 

A N G S T S T Ö R U N G

Mit Anfang 30 kam dann meine erste Panikattacke im Rahmen der Angststörung, genau kann ich nicht sagen wieso ich die Angststörung bekommen habe, die erste Panikattacke kam plötzlich. Ich denke einfach, dass mein Leben zu dem Zeitpunkt immer noch nicht auf meine Bedürfnisse zugeschnitten war. Das Leben ist einfach nicht für hochsensible Persönlichkeiten ausgerichtet, soll heißen, wir brauchen mehr Strategien um in der Welt zurecht zu kommen. Und mein damaliger Mangel an diesen Strategien hat wohl zu der Angststörung geführt. 

Meine Panikattacken führen dazu, dass ich mich quasi nicht mehr bewegen kann. Hinzu kommen Schwindel, Atemnot und Schweißausbrüche, ich schaffe es nicht mehr klare Gedanken zu fassen und zu sortieren und fange schließlich an zu weinen. Selber verstehe ich in dem Moment nicht was gerade passiert und habe bisweilen existenzielle Ängste. 
Mittlerweile kenne ich viele, nicht alle, meiner Triggerpunkte und versuche entweder sie zu vermeiden oder mit ihnen zu leben. Wichtig auf alle Fälle ist, dass sie mich nicht mehr massiv einschränken. 

Jede/-r muss natürlich sein Handwerkszeug selber herausfinden, allerdings haben mir folgende drei Methoden bei Panikattacken sehr geholfen: 

Die Zählmethode:
Das ist am einfachsten und lässt sich überall einbauen. Ich fange an Kopfsteinpflastersteine zu zählen, Blumen in Beeten oder Ziegelsteine in Mauern. 

Körperliche Reize:
Hilfreich hier ist kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen, der Haargummi am Handgelenk, oder das feste in den Arm oder an die Hand nehmen einer Vertrauensperson. Es gibt viele Freundinnen die es mittlerweile wissen, und mich wenn mich eine Panickattacke überkommt wortlos an die Hand nehmen.

bewusste Atmung:
Auch jederzeit durchführbar wenn man sich im Blickfeld mehrerer Personen befindet. Eine Hand auf den Bauch legen und bewusst in die tiefe Bauchatmung einsteigen und sich rein auf die Atemgeräusche und Bewegung konzentrieren. Dies hilft mir einen Fokus zu schaffen, und möglichst schnell aus der Paniksituation heraus zu finden.